09. März 2004

Presseinformation

Der Stauffenberg-Biograf Peter Hoffmann, dessen Standardwerk

Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder soeben in einer Sonderausgabe bei DVA erschienen ist, distanziert sich in wesentlichen Teilen vom Inhalt des Fernsehfilms „Stauffenberg“, der am 25. Februar auf ARD gesendet wurde. Regisseur Jo Baier und Carl Bergengruen, Hauptab­teilungsleiter „Film“ beim SWR, berufen sich indes auf den Historiker, um die historische Zuverlässigkeit ihres Films zu untermauern.

 

Der Historiker und Stauffenberg-Experte verfaßte im letzten Jahr auf Anfrage des Regisseurs ein Gutachten zum Drehbuch. Hoffmann beanstandete darin fol­gende Punkte:

 

1.  Stauffenberg wird dargestellt, als habe er den Massenmord an den Juden nie spezifisch und ausdrücklich verurteilt. Historisch belegt ist aber, daß er dies allein im Jahr 1942 vor drei voneinander unabhängigen Zeugen getan hat. 

 

2.  Stauffenberg beruft sich im Film auf seinen Fahneneid und schlägt die Augen nieder, als Oberst i.G. Henning von Tresckows an ihn appelliert, wegen der Verbrechen von Angehörigen der SS und des Heeres gegen Hitler vorzugehen.  Diese Darstellung entspricht weder den überlieferten Fakten noch der Persön­lichkeit und dem Charakter Stauffenbergs. 

 

3.  Die letzte Begegnung Stauffenbergs mit seiner Frau Nina in Bamberg fand nicht im Zeitraum vom 16. bis 20. Juli 1944 statt. Falsch ist auch, daß Stauffenberg und seine Frau in bitterem Unfrieden auseinandergegangen seien, weil Stauffenberg seiner Frau angeblich nicht habe sagen wollen, was er vor­habe und warum er sie bat, die Abreise mit den Kindern in die Schulferien um einige Tage zu verschieben. Belegt ist hingegen, daß Stauffenberg im Juli 1944 nicht mehr bei seiner Familie in Bamberg war. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, wann sich die Gelegenheit für ein Attentat bieten würde. Nina Gräfin Stauffenberg war seit langem über die Verschwörertätigkeit Stauffenbergs unter­richtet. Stauffenberg bat seine Frau zwar kurz vor dem 20. Juli telefonisch von Berlin aus um die Verschiebung ihrer Abreise in die Ferien, konnte aber das ge­plante Attentat natürlich nicht ansprechen. Daraus hat der Regisseur eine erfun­dene Streitszene gemacht. Diese Erfindung ist eine Verletzung der Privatsphäre der noch lebenden Witwe und ihrer Familie. 

 

Jo Baier und die Herstellerfirma  Sperl Film haben dem Geschichtsprofessor Peter Hoffmann vertraglich versichert, daß sein Name im Zusammenhang mit dem Film von ihnen nur dann genannt werde, wenn er sich mit dem Inhalt des Films hinsichtlich seiner historischen Treue in wesentlichen Zügen schriftlich ein­verstanden erklären könnte. Dieses Einverständnis hat Hoffmann nicht gegeben.

 

Trotzdem erklärte Jo Baier in einem Interview, das am 22. Februar 2004 im Deutschlandfunk im Programm „Musik und Information“ um 7.35 Uhr gesendet wurde, er habe sich gegen eventuelle Kritik der Historiker „abgesichert“; denn er habe „bereits das Drehbuch drei großen Historikern vorgelegt, unter anderen Peter Hoffmann“. Außerdem hätten sich die Angehörigen der Familie Stauffenberg mit dem Film „uneingeschränkt einverstanden“ erklärt.

 

Professor Dr. Peter Hoffmann lehrt an der McGill University in Montreal Neueste Geschichte. Seine Stauffenberg-Biografie „Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder“ ist 1992 bei DVA erschienen. In diesen Tagen erschien die Sonderausgabe (672 Seiten, € 16,90)

 

Vom 01. – 18. Juli wird Peter Hoffmann in Deutschland auf Vortragsreise sein. Bitte melden Sie sich, wenn Sie ein Interview mit dem Autor wünschen.